Raoul Schrott: Die Kunst, an nichts zu glauben

Der 1964 geborene Raoul Schrott – Lyriker, Romancier, Übersetzer aus vielen Sprachen – ist einer der großen Magier der zeitgenössischen Poesie: Er übersetzt aus fremden Zungen und fernen Zeiten, denkt zusammen mit einem Neurowissenschaftler über die kognitiven Grundlagen der Poesie theoretisch nach und schlägt Hörer und Leser mit seinen Gedichtbänden in Bann.

In den letzten Jahren erschienen u.a. seine Übertragung der Ilias (2008), Gehirn und Gedicht (2011, gemeinsam mit dem Hirnforscher Arthur Jacobs) und die Übersetzung von Hesiods Theogonie (2014). Aber auf einen neuen Gedichtband hatte er das Publikum mehr als zehn Jahre warten lassen – um es dann, mit einem Buch und einem Abend unter dem Titel Die Kunst, an nichts zu glauben ein Panorama des Allzumenschlichen erleben zu lassen. Schrott ging und geht es in diesem Band um eine Moral ohne Gott, um das Staunen über das Humane, das er in fesselnden Porträts Einzelner und ihrer Berufe entfaltet – vom Busfahrer bis zum Richter. Vorangestellt sind den Gedichten Zitate aus einem Manual der transitorischen Existenz, einer Art atheistischer Bibel. Das Publikum in der voll besetzten Lyrik-Bibliothek dankte dem Dichter seine anderthalbstündige Lesung mit frohem Applaus.

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